Umgang mit Propaganda

Posted on 02.01.2026

In den letzten Tagen machte ein Video die Runde, in dem jemand erklärt, wie er die Funktion von Propaganda sieht: Einfach so viel Müll in die Welt setzen, dass es zeitlich unmöglich ist, dem mit Fakten zu begegnen und dadurch die Bevölkerung ermüden und indifferent machen. In Folge kann man einfach alles behaupten (und dann darauf nach eigenem Ermessen reagieren), weil sich alle ins Private zurückgezogen haben, um sich in Sicherheit zu bringen.

Das Prinzip wird schon in 1984 beschrieben, wo einfach hingenommen wird, dass die Schokoladenration von 30 auf 20 Gramm “erhöht” wird. 1984, das Werk eines desillusionierten Sozialisten, der darin den (damals, 1948) real existierenden russischen Stalinismus kritisiert.

Das Prinzip, dass die grünen Männchen mittlerweile sprichwörtlich gemacht hat, die 2014 die Krim überfielen.

Das Prinzip, dessen Anwendung durch Trump seit 2015 von Steve Bannon zusammengefasst wurde mit “Flood the zone with shit”.

Es gibt viele weitere Beispiele, die politische Ausrichtung ist dabei weniger “links oder rechts”, es ist das Mittel des Autoritären: Je weniger Teilhabe der Bevölkerung an politischen Prozessen, desto gemütlicher lässt es sich durchregieren.

Im Nachgang dieses Videos habe ich selbst darüber nachgedacht, wie ich damit umgehen will. Die viele Aufregung in den Medien tut mir nicht gut, vor allem, weil sie keine Handlungsfähigkeit erzeugt: Was soll man denn tun, wenn eine Alice Weidel wieder kackdreist in die Kamera lügt, dabei grinst wie ne Vierjährige, die denkt, mit einer Lüge durchgekommen zu sein (und bis auf das Alter stimmt es ja leider), Widersprechen? Das bleibt aus meiner Position fast ungehört. Nicht hinhören? Es hören zu viele andere hin. Es bleibt eigentlich nur die Flucht ins Private: die Auswirkung auf den öffentlichen Diskurs ist dieselbe, aber wenigstens verbrenne ich keine Kraft auf einen Tsunami aus “shit”. Das entspricht nur leider dem Ziel der Propagandisten.

Mein Zwischenstand ist: Es hilft weiterhin nichts, sich überfluten zu lassen, solange daraus keine Handlungsoptionen entstehen.

Wäre es sinnvoll, eine Gegenöffentlich im Nachrichtenbereich zu schaffen? Wäre es, aber ist es realistisch? Wie Marc-Uwe Kling das Känguru sagen lässt: “Ich habe auch voll die gute Idee! Ich fahre mit einem Zuckerstreuer an die Ostsee und mache einen Süßwassersee daraus.”

Also, was tun? Die vorhandenen Medien müssten dazu gebracht werden, sich nicht ablenken zu lassen. Trump furzt mal wieder irgendein Statement raus? Wenn es keine erkennbaren Konsequenzen hat: einfach mal nicht berichten. Es gibt bestimmt irgendeinen lokalen Kaninchenzüchterverein, der relevantere Nachrichten produziert, mit denen man seine 15 Minuten füllen kann, wenn man denn mal hinguckt.

Wie bekommt man die Medien dazu, ihre Themen zu überdenken?

Zum Einen ein Boykott von Nachrichten, die thematisch vermutlich wieder in die “flood the zone”-Ecke gehen. Da steht “Trump” im Anreißer? Ignorieren statt klicken. Falls es wichtig ist, hört man schon davon. Selbst die Öffentlich-rechtlichen, die eigentlich von Wirtschaftlogik zum guten Teil abgekoppelt sein sollten (dafür zahlen wir die Beiträge!), betreiben intensive Analysen, was wie oft gesehen, gehört oder gelesen wird - und was nicht.

Zum Anderen, wenn man doch mal auf Content stößt, der eigentlich nur zur autoritären Beschäftigungsstrategie gehört, ohne irgendeinen Mehrwert zu bringen - außer, dass man sich mächtig darüber aufregt: den Adressaten ändern. Trump interessiert es nicht, wenn man in den Kommentarspalten der Webseiten die Trolle füttert, der bekommt es nicht mal mit, und die Trolle erhalten ihre 5€ Demogeld (ich hoffe jedenfalls, dass diesen Unfug niemand auch noch umsonst macht).

Was vielleicht mehr bewirkt: Eine Beschwerde-Email an die Redaktion oder ein Kommentar in besagter Spalte, “schon wieder 5 Minuten verplempert, weil ihr sinnlosen Müll reproduziert, statt Journalismus zu betreiben. Danke für gar nix, südwestdeutsche Küstenzeitung” (und im Fall der Kommentarspalte: dann auch wirklich nicht mehr reingucken, damit aus den 5 Minuten nicht noch 15 werden). Vielleicht fürchtet eine Redaktion um ihre Klicks, wenn sie so etwas häufiger sieht und stellt sich thematisch (mit der Zeit) anders auf.

Und ich glaube, das probiere ich mal aus. Wer macht mit?