Apr 27: Information und Intelligenz
Es wird ja gerne darüber geredet, welche Chancen es hat, wenn jeder seine Meinung frei kund tun kann. Insbesondere auch das Internet, und auch diese Zeilen sind ja nichts weiter als Meinungsäußerung. Soweit so gut.
Schwierig wird es, wenn Informationsflut mit Wissen und Wissen mit Intelligenz verwechselt wird. Zum Beispiel bei der neuesten Meinungsäußerung des Papstes. Wie jedes Mal, wenn er sich zum Thema Meinungsäußerungen äußert, sind Statements wie dieses nicht fern:
tja, nur dumme leute kann man kontrollieren.
dumm gelaufen, liebe kirche, die zeiten sind vorbei. (Golem.de-Forum)
Ein gnadenloser Optimismus, dass der freie Zugang zu (einer Flut von) Informationen auch dazu führt, dass Leute fortan nicht mehr dumm sind. Ich schätze, einen ähnlichen Optimismus hatte der Buchdruck auch mit sich gebracht. Die Masse verschwand dennoch lieber im Heu als in der Bibliothek, und wenn man sich ansieht, was im Internet so angeboten wird, scheint es auch dieses Mal nicht anders zu laufen.
Dumme Leute, die man kontrollieren kann, gibt es also weiterhin. Ist nur die Frage, wem sie diesmal hinterherlaufen. Und da hat der Papst in der Tat schlechte Karten, auch wenn das nicht am Internet liegen wird. Aber vielleicht entwickelt sich dadurch ja eine Art "Exzellenzinitiative" bei den Katholiken, wenn die dummen woanders unterkommen.
Jul 31: "Prinz Kaspian (Narnia)" Review in der Netzeitung
... oder: Wenn man keine Ahnung hat...
Ein Journallieur der Netzeitung hat sich den Film vorgeknöpft, und dabei unter anderem demonstriert, dass man keine Ahnung von der Buchvorlage braucht, um einen Film aufgrund der mangelnden Nähe zum Buch zu kritisieren. Sicher, die Effekthascherei und endlosen Schlachten machen den Narnia-Film lediglich zu einem Verschnitt der Herr der Ringe-Filme.
Dennoch:
Ein ähnlicher Erfolg wie den bisher fünf Kinoversionen von Harry Potter dürfte dieser Fantasy-Serie kaum vergönnt sein – sogar manche Schauspieler haben jetzt schon genug. «Ich will nicht denselben Charakter sieben Mal spielen», sagte Susan-Darstellerin Anna Popplewell bei der Vorstellung des zweiten Teils.
Das wird ihr auch erspart bleiben: Susan taucht in keinem weiteren Buch der Reihe direkt auf, sie findet lediglich in zwei weiteren Bänden Erwähnung, und kommt in einem weiteren (dazu später mehr) Band als Erwachsene noch einmal vor - eine Rolle, die bereits im vorhergehenden Narnia-Film von einer anderen Schauspielerin besetzt wurde.
Mal sehen wie Regisseur Andrew Adamson diese meistern wird. Jüngere Schauspieler braucht er sowieso: Chronologisch spielt der zweite Roman erst nach den später erschienenen Werken «Das Wunder von Narnia» und «Der Ritt nach Narnia».
Auch das stellt kein Problem dar: Das Wunder von Narnia spielt ca. 40 Jahre vor dem König von Narnia (also dem Film aus dem Jahr 2005), der Ritt nach Narnia ist der besagte Band, in dem Susan (und die anderen Pevensie-Kinder) erwachsen sind.
Und die bemängelte "christliche Symbolik" wurde schon dem Autor der Bücher, C.S. Lewis angekreidet, der sie als "weder beabsichtigt, noch vermeidbar" beschrieb - würde sie fehlen, wären die Filme also noch weiter vom Original entfernt. Man kann es einem Kritiker wohl nicht recht machen.
Wofür der Film kritisiert werden könnte (beim Thema "Zu große Unterschiede zur Buch-Vorlage"), sind die endlosen Schlachten, die im Buch wesentlich moderater beschrieben werden, und im Film etwas sehr exzessiv wirken - aber das war beim letzten Film ja auch schon der Fall.
Dec 4: Mal merken #1
Dec 3: Staatstheater Wiesbaden: Humperdincks "Hänsel und Gretel"
Gestern war ich zum ersten Mal seit Jahren wieder im Staatstheater - mit dabei: meine Frau, deren Schwester + Schwager, sowie meine Mutter. Wir waren etwas besorgt, ob sich auch das Staatstheater an den allgemeinen Trend angepasst hat, alles "modern" inszenieren zu müssen, um einen Raum zu schaffen, in dem sich die Truppe selbst verwirklichen kann. Da die "schönen" Möglichkeiten, ein Stück zu inszenieren meist schon ausgeschöpft sind, werden "moderne" Stücke dann oft eher grotesk bis anstößig - auf etwas anderes reagieren Kritiker wahrscheinlich gar nicht mehr.
Gerüchten zufolge (die ich allerdings noch überprüfen muss) ist das zumindest beim Ballett der Fall. Aber Hänsel und Gretel ist ja zum Glück eine Oper - anderes Ressort.
Natürlich wurde auch hier mit der Zeit ein wenig verändert (wäre ja auch langweilig): Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass vor 12-15 Jahren in der Abschlussszene eine Lebkuchenhexe aus dem Ofen gefischt wurde, statt dem (leicht gruseligen) Moorleichenimitat gestern, und eine Weile hatte man sich auch als Stuntman auf der Bühne versucht und einen Hexenflug präsentiert, der gestern nicht vorkam.
Teilweise war es ein wenig schwer, dem Text zu folgen - gerade die weiblichen Stimmen (Hänsel, Gretel) sind einige Male etwas im Klangteppich des Orchesters verschwunden.
Insgesamt wurde gestern eine einfach nur schöne Darbietung des Stücks präsentiert, das eindeutig auch aktuelle Bühnentechnik genutzt hat (und ebenso eindeutig schon ziemlich alte Kulissen, was aber nicht im Geringsten stört), das insgesamt aber nur vorsichtig bearbeitet zu sein scheint.
Eine Rolle spielt dabei sicherlich auch, dass Hänsel und Gretel auf ein Kinderpublikum zugeschnitten ist, dass mit postexpressionistischen Experimenten schlicht und einfach nichts anzufangen weiß. Gut für uns.