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Nov 18: Vorschlag an die Heulsusen in der Medienindustrie

Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Medienindustrie den Hals nicht voll bekommt. Da wird mit viel Aufwand Lobbyarbeit betrieben, um die eigenen Vorstellungen umzusetzen und kaum sind sie in Kraft, geht das Gejammer wieder los und die nächste Runde beginnt. Ich habe sonst selten so einen (leider effektiven) Haufen professioneller Heulsusen erlebt.

Was treiben die eigentlich?

Salamitaktik

Leider ist eine derartige Salamitaktik (immer eine weitere Scheibe abschneiden, bis die Salami irgendwann nicht mehr ist) in unserem politischen Umfeld, das ja stets auf Konsenz aus ist, sehr erfolgreich und gleichzeitig sehr schädlich.

Ein Beispiel

(man möge mir bitte die mathematisch angehauchte Erklärung verzeihen)
Zwei Gruppen streiten über die optimale Zahl zwischen 0 und 1. Die Situation kann als Intervall [0, 1] beschrieben werden, der das Feld absteckt und in dem sich die Einigung (hoffentlich) finden wird (Wenn es nicht gerade um eine Mehrwertsteuererhöhung geht).
Mit viel Diskussion kommt man zur Einigung (1 hat dann doch zähneknirschend nachgegeben), 0,3.

Zwei Wochen darauf wird die nächste Runde eröffnet. 0,3 war wohl doch nicht so gut. Leider sind die Nullen in der Politik, weswegen nicht wieder [0, 1] verhandelt wird, sondern [0,3, 1].
Kompromiss diesmal: 0,5.

Einige Runden später geht es dann nur noch um die Anzahl der Neunen hinter dem Komma [0,999, 1].

Solange immer nur der Status Quo und die Wunschvorstellung einer Seite in Betracht gezogen werden, wird die Wunschvorstellung auf Dauer Realität...

Und das findet gerade im Bereich Urheberrechte statt (und auch in vielen anderen Bereichen, die ich hier aber nicht thematisieren werde)

Mein Vorschlag: Reboot

Der Anreiz

Es wird eine Frist gesetzt, sagen wir, der 1.1.2011. Zu diesem Zeitpunkt wird, wenn keine Einigung für eine grundlegende Überarbeitung der Urheberrechtslage vorliegt, das Urheberrecht auf Minimalpositionen zurückgedreht:

  • Schutzdauer "Leben + 70 Jahre"
  • Urheberrecht ist eine reine zivilrechtliche Angelegenheit
  • Minimalanforderungen für die Vorschriften aus EU, WIPO &c vom Stand 15.11.2009, um mal ein Datum zu nennen, umsetzen (Für ein paar heulende Hupfdohlen aus der EU aussteigen wäre doch etwas sehr starker Tobak)

Das Ziel

Die endgültige Diskussion um Urheberrechtsschutz für aktuelle Technologie: Eine Einigung ist auf Dauer angelegt und gültig für alle derzeit existierenden Verbreitungswege. Für Neuverhandlungen wäre eine Verfassungswidrigkeit oder ähnlich wichtiger Grund notwendig.

Weitere Verhandlungen gibt es nur für neue, bisher nicht vorhandene Weiterentwicklungen in Medien und Verbreitungswegen, was hier nicht reinkommt, bleibt draußen.

Die Medienindustrie hat dadurch einen Anreiz, ihre Maximalpositionen offenzulegen. Gibt es keine Verhandlungen, oder dauern diese zu lange, treten ab 1.1.2011 die oben genannten Minimalregeln in Kraft.

Die Verhandlungspositionen

Die öffentliche Verhandlungsposition wird möglichst minimal gefasst: Urheberrecht als Persönlichkeitsrecht weiterhin "Leben + 70 Jahre", Verwertungsrecht davon entkoppelt wesentlich kürzer. Die GEMA steht ebenso zur Disposition wie Abgaben auf Vervielfältigungsgeräte.

Der Verhandlungsmodus

Nachdem die Medienindustrie ihre Forderungen vollständig vorgelegt hat, wird Bestandsaufnahme gemacht. Es werden üblicherweise Rechte eingefordert. Diesen werden, gemäß den Grundsätzen, dass Eigentum verpflichtet und dass Gesetze ein Ausgleich von Rechten und Pflichten sind, Pflichten zugeordnet.

Wenn die Medienindustrie beispielsweise einen umfassenden Auskunftsanspruch gegenüber Kommunikationsdienstleistern fordert, wäre eine mögliche Forderung, dass sie diesen vollständig zu finanzieren hat.
Eine Erlaubnis, Kopien mit DRM zu versehen, schließt diese gleichzeitig und umfassend von möglichen Abgabensystemen (GEMA, Pauschalen auf Medien) aus.

In den nächsten Runden können beide Seiten die Rechte und Pflichten gegeneinander abwägen, und gegebenenfalls Positionen (Kombinationen aus Recht und Pflicht!) fallenlassen.

Das Verhandlungsergebnis

Wenn eine Einigung erzielt wurde, ist diese bindend für alle bis dahin bekannten Verbreitungskanäle und dazugehörige Technologien. Keine Spielereien mit etlichen "Körben" voll Urheberrechtsnivellierunganpassungen.

Wer mit dem Ergebnis nicht leben kann, darf sich gerne einen anderen Beruf suchen - es gibt kein Grundrecht auf ein Auskommen als Künstler (oder Medienindustriefunktionär).

Wozu das alles?

Um die Verhandlungen wieder auf eine ernstzunehmende Basis zu stellen. Im Bild des obigen Beispiels beschrieben, wird dadurch der Verhandlungsrahmen wieder von [0,7, 1] auf [0, 1] zurückgedreht. Sollte sich gesamtgesellschaftlich herausstellen, dass man bei "0,2" besser läge, ist das nun wieder möglich.

Es wäre zwar auch möglich, im bislang üblichen Rahmen Forderungen aufzustellen, die eine Abkehr von bereits erreichtem (aber nicht unbedingt gutem) zu erlangen, aber das verlängert das ewige Tauziehen nur weiter.

Das Ziel des Vorschlags ist, eine definitive Lösung zu finden und damit Rechtssicherheit zu schaffen, weil klar ist, was geht und was nicht.

Da es nicht einmal möglich ist, einer Interessenvertretung einmal erlangtes wieder (durchaus im Austausch für etwas anderes - sprich: Interessenausgleich) zu entreißen, weil die entsprechenden Vertreter auf Regierungsseite entweder keinen Mumm dafür oder kein Interesse am Thema haben, ist auch dieser Vorschlag absolut utopisch. Aber er musste mal raus, das ging mir schon lange genug im Kopf herum.

Wobei sich auch die Frage stellt, was eine Partei ist, die sich von einer Interessenvertretung derart am Zaumzeug durch die Manege führen lässt. Klientelpartei klingt in meinen Ohren noch zu freundlich...

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Nov 16: Schlechter Politischer Deal (SPD)

Der «Frankfurter Rundschau» sagte Nahles: «Die SPD-Führung darf die Partei nicht mehr vereinnahmen für Beschlüsse, die in einem kleinen Zirkel gefallen sind». Zusammen mit Gabriel wolle sie «im Dialog überzeugen».

(aus der Netzeitung)

Nahles und Gabriel ("SPD-Führung") wollen also "im Dialog überzeugen". Das klingt so, als wäre der einzige Unterschied zum bisherigen "vereinnahmen", dass man jetzt immerhin so lange zuhört, bis die Partei die eigene Meinung übernommen hat.

Ein schlechter Deal.

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Aug 26: Wer lesen kann, ...

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Fefe verlinkt sogar die Quelle, merkt den Fehler aber auch nicht. Es geht um folgenden Ausschnitt aus einer Rede im Bundestag:

Aha! Dann haben sich die Grünen auf ihrer Überwachungspalme überlegt:
(Dr. Dieter Wiefelspütz [SPD]: Ich bin dafür, dass wir auch mal selber denken!)
Es wäre doch prima, sozusagen im vorauseilenden Gehorsam über dieses Thema im Plenum zu debattieren.
(Wolfgang Wieland [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer ist der Gesetzgeber? Wir oder der BGH?)
Wen interessiert schon Gewaltenteilung?
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Unabhängig davon, ob diese Beschreibung der "grünen Denkweise" zutreffend ist oder nicht, oder ob die Aussage inhaltlich etwas taugt oder nicht, wird (politik-bash sei Dank) vor allem folgende, kürzere Version verbreitet:

Daniela Raab, CSU
Wen interessiert schon Gewaltenteilung?

Quelle: In der Sitzung des Deutschen Bundestages vom 13.12.2006, Link

Es stellt die Situation bloß nicht so ganz treffend dar, aber in den Kontext eingebettet verliert dieses knackige Zitat leider seinen Witz. wirres.net hats kapiert, politik-bash hats auch vervollständigt mittlerweile, andere noch(?) nicht.

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May 27: Die unbezwingbaren Kinderpornoproxies

Vor einiger Zeit ist ein Artikel durchs Netz gegeistert, der unter anderem wohl auch auf Wikileaks rumliegt, der seitdem auch immer mal gerne als Quelle herangezogen wird (zB hier).

Das Proxysystem

Darin wird ein technisch sehr interessantes Konzept beschrieben, wie Verbreiter von Kinderpornographie sich heutzutage gegen Strafverfolgung absichern und insbesondere auch die weitere Verbreitung sicherstellen wollen. Da geht es darum, dass Server gemietet werden, auf denen Systeme auf verschlüsselten Festplatten laufen, die sich bei "Gefahr" abschalten (und dadurch den Schlüssel verlieren), auf denen die Daten gespeichert sind.

Andere Systeme dienen als Frontend und bieten die Webseite an, die die illegalen Bilder über verschlüsselte Verbindungen von den Servern mit den verschlüsselten Servern abholen - und wohl ebenfalls verschlüsselt sind und sich unter bestimmten Bedingungen abschießen.

Deswegen, so wird häufiger argumentiert, sei es sinnlos, diese Frontends von den ISPs abschalten zu lassen. Zum einen, weil die Daten ja dort nicht vorliegen, zum anderen, weil sich das Spielchen beliebig wiederholen ließe.

Die Mär der mangelnden Handhabe

Zwar liegen die Daten tatsächlich nicht beim ISP, der das Frontend hosted, aber sie werden von dort verbreitet. Der ISP hat also weiterhin eine Handhabe gegen den Betrieb des Servers dort (außerdem: welcher Verbreiter von Kinderpornographie wird den ISP verklagen, der ihm den Server abschaltet?).

Technische Überlegungen

Außerdem kann der ISP durchaus nachvollziehen, woher die Daten kommen: Inbound-Traffic messen, IPs bestimmen. Da hängt zwar gegebenenfalls noch ein Botnet dazwischen, aber das kann nicht beliebig tief geschachelt werden, wenn das System noch überhaupt eine Übertragungsgeschwindigkeit bieten soll. Ein geeigneter Honeypot im Botnet könnte da also durchaus weiterhelfen - ansonsten müssten sich da halt einige ISPs kurzschließen, um die Übertragungswege auch durch derartiges Onionrouting nachzuvollziehen, möglich ist das allemal - wenn auch mit großem Aufwand verbunden, den einem momentan wohl keine Strafverfolgungsbehörde entgilt.

Marodierende Kinderpornoserverbanden

Der andere Aspekt ist, dass die Betreiber der Seiten dann einfach ihr Frontend woanders wieder aufstellen. Das funktioniert sicherlich - alles, was dazu nötig ist, ist die Änderung eines Eintrags im DNS System. Allerdings ist das DNS System ebenfalls kontrollierbar. Wenn die Domain gleich mit ausgeknipst wird, haben die Konsumenten erstmal keine Anlaufstelle mehr - und müssen sich also einen neuen Hostnamen suchen, was zusammen mit dem Aufwand, den neuen Server aufzusetzen, DNS umzubiegen usw. (und das alles ohne echte persönliche Daten, sonst wäre die Strafverfolgung ja wirklich einfach) eine Unterbrechung des Betriebs darstellt. Passiert das häufig genug, gibt es doch eine reelle Chance, dass der Betrieb zu aufwendig ist und eingestellt wird.

Zu "verschlüsselten Servern"

Viele Angebote bei Hostern sind keine echten Maschinen, sondern in irgendeiner Weise virtualisierte Systeme. Zu den Eigenschaften dieser Systeme gehört auch, dass die virtuellen Systeme von außen beobachtbar sind - zum Beispiel, um Schlüssel auszulesen.

Sollten die Betreiber solcher Systeme wirklich nur auf dedizierten Geräten arbeiten, macht das die Sache schwerer - aber nicht unmöglich. Server haben oft zusätzliche Hardware für Management, die zu einigem in der Lage ist, dass sich von Betriebssystemseite nicht blockieren lässt. Eine Funktion zum Wegsichern des gesamten Arbeitsspeichers (inkl. der Schlüssel für das Dateisystem im Klartext) wäre sicherlich damit umsetzbar.

Falls nicht, gibt es ja immer noch den System Management Mode, der sich ebenfalls außerhalb der Kontrolle des Betriebssystems befindet - das ist zwar so noch nicht umgesetzt worden, aber bei entsprechendem Interesse kann mein Arbeitgeber sicher ein Angebot für solche Hintertüren erstellen.

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May 13: Ist die Deutsche Kinderhilfe für die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet?

Wenn ich mir deren aktuelle Aktion so ansehe, könnte einem der Verdacht kommen...

Da man selbst nichts auf die Beine gestellt bekommt, hängt man sich an die Bundesregierung ran und fordert Dinge ein, die wahrscheinlich eh so kommen werden, so dass man sie in einem halben Jahr als Erfolg verbuchen kann.

Die deutsche Kinderhilfe will also Sperren. Fein.

Will sie denn, dass Kinderpornographie im Internet bekämpft wird? Offensichtlich nicht, sonst würde sie wirksame Maßnahmen einfordern, statt dem ersten populistischen Trend hinterherzuhecheln, der ihnen über den Weg läuft - aber das Problem nicht löst.

An die deutsche Kinderhilfe, falls sie sich hierher verirrt:

Es ist manchmal besser nichts zu tun, als "irgendetwas" zu tun. Noch besser ist es natürlich, etwas sinnvolles zu tun. Und wenn sie nicht weiterwissen, fragen sie jemanden, der sich damit auskennt. Bei internettechnischen Fragen sind weder das Familien-, noch das Wirtschaftsministerium geeignet:

Aus technischer Sicht entspricht das Niveau des aktuellen Vorschlags der Regierung - den die deutsche Kinderhilfe unterstützt - "Irgendjemand muß doch irgendetwas tun". Leider ist damit keinem Kind geholfen.

Aber den Wahlkämpfer. Ist doch auch mal was.

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May 10: Westerwelle, das Schicksal und der Straßengraben

Westerwelle bezeichnet die Bundestagswahl jetzt als Schicksalswahl. Am 27. September würden die Weichen für die nächsten zwölf Jahre gestellt, sagt er voraus. Dann entscheide sich, ob die «geistig politische Achse dieser Republik» endgültig aus der Mitte nach links verrutsche.

(Netzeitung)

 Aus dem Straßengraben betrachtet ist wohl alles "links".

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Dec 25: Immer dieser Kulturkampf..

"Sie dürfen von mir aus gern glauben, woran Sie wollen. Das Problem fängt dort an, wo die Gebote einer Glaubensgemeinschaft der sie umgebenden Gesellschaft aufoktroyiert werden sollen" (Kommentar zum Artikel)

Kommentare dieser Art lese ich oft in der letzten Zeit (in verschiedenem Kontext. Sei es dieser unsägliche bpb-Artikel, samt der viel unsäglicheren Reaktionen, oder anderswo). Klingt auch gut, soweit. Soll halt jeder machen, wie er es für richtig hält. Außer, es wird (meist im Nachhinein) für falsch erachtet. Zum Beispiel der (freundlich ausgedrückt) viel zu leise Protest der Kirchen in Deutschland gegen Hitler in den 1930ern und '40ern. Man habe ja Gebote, warum hat man nicht entsprechend reagiert?

Also, wenn der nächste Hitler vorbeikommt, halte ich mich dann wohl besser an Ratschläge wie den oben - und behalte "meine" Gebote für mich? Falls nein: Wo genau ist die Grenze zu ziehen, zwischen der freien Lebensgestaltung, die ich gefälligst in Ruhe zu lassen habe (beliebige Debatte bitte hier einfügen) und dem Verbrechen, dass es zu bekämpfen gilt (etwa Diktatur mit Krieg und Genozid)?

Bei derart schwerwiegenden Fragen nur noch eins zum Abschluss: Frohes Christfest!

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Aug 30: Die CDU möchte die SPD regieren

Nach Ansicht von CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla liefert sich die SPD damit auf Gedeih und Verderb der Linkspartei aus. «Bundesweit, Ost wie West, brechen bei der SPD die Dämme. Und die SPD-Führung in Berlin schaut zu», sagte Pofalla in Berlin.
(Quelle: Netzeitung)

Hmm.. Seit wann hat ein CDU-Generalsekretär etwas zur SPD zu sagen? Als nächstes wollen die Bayern Berlin vorschreiben, wie man das Land regiert?

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Jul 17: Auch die Nazis? Gerade die Nazis.

"Sie scheinen noch nicht verinnerlicht zu haben, dass das Recht, sich zu versammeln, keine Gnade des Staates ist", warf der SPD-Abgeordnete Franz Schindler den CSU-Politikern vor. Diese müssten anerkennen, dass die Menschen das Recht haben, auf die Straße zu gehen, sich eine Meinung zu bilden und sich zu äußer - ohne dass eine Staatsregierung oder ein Parlament ihnen das genehmigen muss. "Auch die Nazis?", kam ein Zwischenruf von der CSU-Fraktion. "Auch die Nazis", lautete die Antwort. (Quelle: taz.de)

Das ist ein Auszug aus der Diskussion im bayrischen Landtag, ob Versammlungs- und Demonstrationsrechte eingeschränkt werden dürfen. Die Antwort ist "Auch die Nazis" ist im Kern richtig, aber ich würde es anders formulieren: "Gerade die Nazis". Wie viele andere Gesetze, gerade aus dem Umfeld des Grundgesetzes und der Landesverfassungen, ist auch die Versammlungsfreiheit eine gewollte (Selbst-)Einschränkung des Staats - und so etwas ist bei Geschehnissen mit großer Akzeptanz einfach nicht nötig (Wenn die Pro-"Volkspartei"-Demonstration durch die Straßen zieht, werden die regierenden Volksparteien wohl kaum etwas dagegen haben), sondern gerade, wenn es um unangenehme Ereignisse geht.

(Apropos Volkspartei - ist das soetwas wie die diversen Volksprodukte bei der Bild?)

Das gilt analog auch für anderes, was so in der Verfassung steht - Religionsfreiheit beispielsweise, ist kein Schutz, den der Staat für die Mehrheit gegenüber Minderheiten einräumt (wie das manche Evangelikale leider sehen, und am liebsten den Islam verboten sähen), sondern ein Schutz der Religion vor dem Zugriff des Staats (und zwar jeder Religion, auch den "Unbeliebten", sofern es nicht in ihrer Natur liegt, andere Rechte zu verletzen, etwa Menschenwürde, körperliche Unversehrtheit, usw.).

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Jul 16: Amis und Briten kommentieren den Austausch zwischen Libanon und Israel

Ich dachte mir, ich lese einfach mal, was die Jerusalem Post so zu der Austauschaktion zu sagen hat, nachdem die deutsche Presse sich mit Bauchpinseleien für den "BND-Agenten" (mal namentlich, mal "geheim") begnügt, der das Ding vermittelt haben soll.

Interessant finde ich die "Talkback"-Ecken zu den dazugehörigen Artikeln (zB, aber nicht ausschließlich "Transfer of Kuntar, POWs complete"), in denen Leser Kommentare abgeben können. Jede Menge Briten und Amerikaner (zumindest nach Eigenauskunft), die das Geschehen kommentieren, Israel für feige halten, Israel-Boykotte ausrufen (nachdem sie ja jahrelang, als brave US-Evangelikale, für den Staat Israel gespendet haben, was hier und da in einem Halbsatz auch noch auftaucht) und sonstwie ihren Unmut darüber ausdrücken.

Ausgerechnet vor allem Amerikaner, bei denen Kriegszustand im eigenen Land ein eher seltenes Phänomen ist (gut, zwei Passagierflugzeuge, wenn man das unbedingt schon als Krieg zählen muss - und direkt davor wieder ein warmer Abriss, diesmal des Weißen Hauses durch - wie ironisch - die Briten?)

Manchmal bräuchte es wohl auch für Anglophone einen Dieter Nuhr.

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May 27: Politiker sind doch überall gleich

Mal wieder Netzeitung: "Die Linkspartei, derzeit ein Mix aus Realisten, Nostalgikern und Polemikern, müsse sich entscheiden zwischen Demagogie und Konstruktivität, referierte [Gesine Schwan]". Prompt gab es Widerspruch von Seiten der Linken - aber warum?

Diese Beschreibung passt doch auf so ziemlich jede Partei - die SPD hat auch ihre "Realisten", "Nostalgiker" und "Polemiker" an Bord, die CDU ebenso. Und eine Entscheidung zwischen Demagogie und Konstruktivität wird auch in der SPD und der CDU nur ungern getroffen (beispielsweise in der Frage, wie man eben mit der Linken umgeht).

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May 26: Bipolar Disorder in der Politik...

... oder wenigstens in der politischen Berichterstattung.

In der letzten Zeit lese ich immer häufiger, dass es ein Widerspruch wäre, wenn die SPD bei bestimmten Wahlen die Stimmen der "Linke" einkalkuliert, aber eine Koalition ablehnt. Als Beispiel ein aktueller Artikel der Netzeitung:

Kurt Beck müsste erklären, warum er denn die eigene Kandidatin für das höchste Amt im Staate auch mit Links-Stimmen wählen lassen will, aber die Partei vier Monate später zur Bundestagswahl als Koalitionspartner ablehnt.

Es gibt also anscheinend - in der Welt der Politik - nur zwei Zustände: der eine, bei dem die Linke nur noch der "linke Flügel" der SPD ist; der andere, in dem die SPD sich so weit es nur geht von der Linken distanziert.

Dass es möglich ist, dass die SPD bei einzelnen Fragen (etwa "Köhler oder Schwan", "Koch oder Ypsilanti", etc) mit der Linken kooperiert, und sich auf deren Stimmenanteil verlässt (und dafür gegebenenfalls auch klar definierte Zugeständnisse in Kauf nimmt, bei bestimmten Positionen Zurückhaltung zu üben, etwa bei der Abstimmung über den Europa-Vertrag), aber "im Großen und Ganzen" keine ausreichende Überschneidung bei "wichtigen" Fragen sieht, so dass eine Koalition problematisch wäre, scheint in so manchen politischen Dickschädel nicht reinzugehen.

Natürlich lässt sich dieselbe Frage auch mit jeder anderen Konstellation zweier Parteien stellen, beim CDU/FDP-Gespann kommen dann auch spannende Fragen und mögliche Antworten heraus - nicht zu vergessen, wie unterscheidbar das Profil von Parteien noch ist, die sich auf quasi-Augenhöhe in einer Koalition treffen. (Nachtrag: die TAZ berichtet über die Überlegungen der Grünen Jugend zur Grüne/CDU-Kombination)

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Apr 28: Copyright enforcement

In schöner Regelmäßigkeit wird in Deutschland (wie anscheinend überall sonst in der Welt) das Urheberrechtssystem als "zu schwach" oder "nicht zeitgemäß" angeprangert, wobei solchen Statements stets eine Wunschliste mit Änderungen beigelegt wird.

Der Think Tank "World Economic Forum" (Wikipedia über WEF) hat eine Managerumfrage durchgeführt, mit folgendem Ergebnis:

The rankings come from the World Economic Forum's Executive Opinion Survey, which ranks the G8 countries in the following order:
  1. Germany (1 overall)
  2. UK (8)
  3. France (9)
  4. Canada (15)
  5. Japan (17)
  6. United States (22)
  7. Italy (42)
  8. Russia (113)

Die Zahlen in Klammern entsprechen der allgemeinen (nicht G8-spezifischen) Rangliste. (Quelle: Michael Geist via Excess Copyright Blog)

So schlecht kann es ja nicht sein...

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Jan 24: Wahlcomputer

Nachdem ich mich über den Verfahrensfehler bei der Anfechtung der Nutzung von Wahlcomputern In Hessen aufgeregt habe, hier mein Wort zum Son.. äh.. Freitag dazu:

Das Grundgesetz schreibt allgemeine, unmittelbare, gleiche, freie und geheime Wahlen vor. Von schnell und billig steht da nichts.

(Aus den Kommentaren zum Interview)

Dem Interviewten habe ich dann auch mal eine Mail mit einigen Rückfragen zum Interview geschickt. Mal schauen, ob was kommt. Ich bin ja schon mehr als einmal positiv überrascht worden.

Update: Binnen einer Stunde eine Antwort. Kurz, weil momentan viel passiert, aber individuell, nicht mal ein Formtext.

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Jan 15: Leben zum Arbeiten?

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, warnte vor der Forderung, dass Löhne zum Leben ausreichen müssten. "Dieser populistische Satz klingt gut, spätestens bei Arbeitnehmern mit Familie geht er aber ökonomisch nicht auf", sagte er.

(Netzeitung)

Das heißt, Eltern (ich gehe mal davon aus, dass Braun mit "Familie" die Kombination 1-2 Erwachsene, dazu Kinder meint) sollten das mit dem Arbeiten direkt bleiben lassen und von Hartz-IV oder ähnlichem leben? Oder ist das eher als "Wer sich Kinder zulegt, ist selbst dran schuld.... Und jetzt arbeite, Sklave!" zu verstehen?

Oder steht da die Auffassung hintendran, dass Mann arbeitet und Frau am Herd hinterlässt und ja die Arbeit des Mannes kaum genug Wert sein kann, für ihn und mehrere weitere Personen zu sorgen?

Was will der Kerl, warum ist er Präsident eines Vereins (selbst wenn es ein Wirtschaftsverein ist und dadurch bedingt die Standards niedriger sind als anderswo) und warum hält ihn die Presse für zitierfähig, sprich relevant?

Es ist armselig, wenn in einer Gesellschaft akzeptiert wird, dass in Familien (Definition s.o.) beide Elternteile (sofern vorhanden) arbeiten und das Geld (samt Kindergeld usw.) trotzdem kaum zum Leben reicht. Oben genannter "Präsident" hat sich diese Auffassung offensichtlich verinnerlicht - und hoffentlich sein Haltbarkeitsdatum bald überschritten.

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