Nachdem studiVZ aufgrund ihrer ausufernden AGB in die Kritik gekommen ist, gab es zum Jahresende eine neue Version, die ich mir mal angesehen habe. Fazit: recht positiv.
(Zuallerst: Die folgende Beschreibung und Bewertung der AGB kann unvollständig oder fehlerhaft sein, auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, und ist entsprechend mit Vorsicht zu genießen. Fehlerhafte Aussagen korrigiere ich bei Kenntnisnahme.)
Insgesamt sehen die neuen AGB (Stand 20.12.2007) nicht mehr aus, als ob ein noch etwas pubertärer Erstsemester der juristischen Fakultät mal etwas schreiben sollte (siehe zum Beispiel die Klauseln zu Vertragsstrafen in der alten Fassung). Stattdessen legt studiVZ nun AGB vor, die eine ungewöhnliche Klarheit aufweisen.
Behandelt werden:
- Geltungsbereich der AGB, Möglichkeit von Zusatzklauseln für Zusatzmodule im System, Behandlung dieser Situation
- An- und Abmeldung, inkl. Auswirkungen auf den Datenbestand
- rechtliche Absicherung bezüglich der Daten, die von Benutzern eingestellt werden; Verpflichtung zu korrekten Angaben
- Nutzung der Daten durch Benutzer (kein Crawler, keine kommerzielle Nutzung, keine Angriffe auf das System)
- Sanktionsmöglichkeiten (max. Sperrung des Benutzers mit Verbot einer Neuanmeldung, keine Vertragsstrafen mehr)
- Haftungsfreistellung (ich habe schon extremere Varianten gesehen)
- Haftungsbeschränkung (im gesetzlichen Rahmen als Diensteanbieter, keine Haftung für Datenverlust)
- Datenschutz (Verweis auf die Datenschutz-Erklärung von StudiVZ - siehe unten)
- Änderung der AGB, Kündigung, Regelungen für Erfüllungsgehilfen oder Nachfolger von StudiVZ
Die Datenschutz-Erklärung listet viele (alle?) Elemente des persönlichen Datenbestands im System auf, und erläutert recht detailliert, wie und in welchem Maß man diese für andere Nutzer ausblenden kann (Opt-Out), sowie welche Daten für Werbemaßnahmen herangezogen werden können. Eine Weitergabe der Daten an Dritte wird ausgeschlossen.
Die Analyse von Clickstreams wird explizit genannt, aber auch hierzu scheint es die Möglichkeit des Opt-Out zu geben.
Wenn man auf solche "sozialen Netzwerke" steht, ist studiVZ mit diesen AGB sicherlich einer der besseren Anbieter auf dem Markt, was die Verwertung von und den Umgang mit persönlichen Informationen angeht.
Problematisch ist weiterhin der Single Vendor Approach, der im sog. "Web 2.0" leider allzu populär ist - eine offene Plattform mit interagierenden Systemen verschiedener Anbieter hätte eher das Potential, informationelle Selbstbestimmung auch in "sozialen Netzwerken" im Internet zu gewährleisten. Denn letztlich basiert auch studiVZ augenscheinlich auf dem Geschäftsmodell der Datenkrake - auch wenn sie sich selbst Ketten angelegt hat.